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Online-Journalismus und Schreiben

Wie sag ich's meinen Lesern?


03.04.2000

Nun, es ist eine Frage des guten Tons. Ton ist jedoch ein schwieriger Terminus: Wir wissen alle, was er bedeutet, aber es ist wirklich schwer, ihn zu beschreiben. Ton ist die alles durchdringende Atmosphäre eines Ortes oder der generelle Eindruck, den Sie von irgendetwas erhalten. Ton ist bestimmt von den Gefühlen eines Autors über den Gegenstand seines Themas und der Stimmung, in der er/sie sich beim Schreiben befindet.

Ton in der gesprochenen Sprache
Wenn wir reden, zeigen wir unsere Gefühle durch die Art, wie wir unsere Stimme einsetzen - wir können die Tonhöhe, Tempo und Intensität unserer Stimme verändern, um zu zeigen, ob wir ernst, sarkastisch, sympathisch oder heuchlerisch sind. Wie oft haben wir schon jemanden sagen hören, 'In einem solchen Ton lasse ich nicht mit mir reden!'?

Ton in der geschriebenen Sprache
Wenn wir schreiben, transportieren wir den Ton durch: * die Wahl unserer Wörter * die Länge und Struktur der Sätze * die Länge und Struktur der Absätze * die Interpunktion * die Reihenfolge der präsentierten Gedanken * das Format, das wir wählen, um unsere Gedanken zu kommunizieren

Schreiben für das Web
Ob Sie Ihre erste Homepage schreiben oder Ihre Firmensite aktualisieren – Ihre erste Überlegung gilt dem Ton, den Sie mit Ihrer Site übertragen wollen. Welchen Eindruck wollen Sie vermitteln? Hier sind einige der vielen Möglichkeiten:

ZWANGLOSER STIL
  • gebrauchen Sie kurze Sätze und Absätze
  • benutzen Sie viele umgangssprachliche Ausdrücke
  • stellen Sie dem Leser Fragen
  • verwenden Sie Personalpronomen (ich, du, wir, uns)
  • wählen Sie lieber kürzere Wörter und Ausdrücke (besser 'er ist ein stiller Mensch' als 'er ist ein schweigsamer Gefährte')
  • vermeiden Sie das Passiv und schreiben im Aktiv (besser 'denke daran zu ...' als 'es muss daran erinnert werden, dass ...')
  • variieren Sie den Gebrauch der Interpunktion: Gedankenstriche (-), Fortsetzungspunkte (...), Ausrufezeichen (!), Semikolon (;) etc.
Ein zwangloser Stil wirkt freundlich, entspannt und persönlich - man fühlt, dass der Autor direkt zu einem spricht.

FORMELLER STIL
  • Sätze und Absätze sind länger und komplexer in der Struktur
  • Vokabular ist ebenfalls komplexer und spezialisiert (entsprechend des Themengegenstands)
  • Interpunktion ist förmlicher (hier ist kein Platz für Pünktchen und Striche)
  • passiver Stil kann eingesetzt werden (aber übertreiben Sie es nicht - es könnte zu unpersönlich werden)
  • Personalpronomen werden vermieden; im Gegensatz dazu wird 'es', 'man' und 'sie' verwendet
Ein formeller Stil ist geschäftsmässig, sachlich und zielgerichtet. Er ermöglicht dem Schreibenden die Konzentration auf das Wesentliche in seiner Aussage.

ÜBERZEUGENDER STIL
  • Gebrauch emotionaler Wörter (wie reagieren Sie auf diese Wortpaare: Heim - Hütte; Konfusion - Durcheinander; Arbeitslos - Almosenempfänger?) Durch Auswahl des treffenden Wortes ist es möglich, das Empfinden des Lesers auf Ihre Denkweise zu lenken.
  • Sätze und Absätze sind für gewöhnlich kurz gehalten
  • Gedanken sind sehr einfach organisiert - z. B. in zeitlicher Folge oder umgekehrt
  • vorsichtige Auswahl des Inhalts, um eine bestimmte Sichtweise zu präsentieren
  • Personalpronomen werden verwendet, besonders 'uns' und 'ihnen'
Überzeugenden Stil gebraucht z. B. die Werbebranche, um uns vom Kauf eines bestimmten Artikels zu bewegen bzw. zu überzeugen.

Sie sehen anhand dieser kurzen Beispiele, wie wichtig das Ausarbeiten des richtigen Tons für Ihre Website ist. Im Web haben Sie nur ein paar Sekunden, Ihre Leser zum Bleiben zu überzeugen - wenn diese einen positiven Eindruck erhalten, werden sie weiterlesen, wenn nicht ...

Werfen Sie einen Blick auf Ihre Homepage. Welchen Ton transportiert sie? (Schauen Sie auf die Wortwahl, Satzlänge, Interpunktion etc. und vergleichen Sie es mit der kleinen Liste oben.) Ist das der Ton, in dem Sie Ihren Leser ansprechen wollten? Wenn nicht, haben Sie jetzt ein paar Anregungen, wie Sie ihn verändern können.

(boe)





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