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Benutzer&Leser (Usability, HCI)

Usability Testing: Grundlagen


05.08.2000

Usability-Testing war noch nie umstritten, wurde aber angesichts des Zeitdrucks bei der Entwicklung einer Website eher vernachlässigt. Heute sehen Entwickler Tests zur Benutzbarkeit einer Website als einen untrennbaren Teil der Site-Entwicklung. Und so sehen es ihre Auftraggeber, die von Ihren Agenturen erwarten, dass Usability-Testings im Webentwicklungsprozess eingesetzt werden. Denn von einer komplizierten Anwendbarkeit frustrierte Sitebesucher verlassen schnell eine solche Site.

Was ist Usability-Testing?
Usability-Tests simulieren den Praxisfall. In der Hauptsache geht es darum, Feedback von Benutzern über die Brauchbarkeit einer Site zu bekommen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, was jedoch am meisten mit Usability-Testing in Verbindung gebracht wird, sind One-to-One Interviews mit Anwendern, um deren Vorstellungen von einer Site oder deren Prototyp zu untersuchen.

Das Prinzip ist folgendes: Ein Moderator beobachtet einen Teilnehmer, der die definitive Zielgruppe der Site repräsentiert (eventuell sogar ein Kunde oder potenzieller Kunde des Auftraggebers) und eine in Entwicklung befindliche Version der Website benutzt. Üblicherweise versucht der Teilnehmer dabei, vorgegebene praxisbezogene Aufgaben zu erfüllen. Anschliessend gibt er sein Feedback zu dem Prozess und nennt dem Moderator die von ihm subjektiv erkannten Vor- und Nachteile und welche Frustrationen er während der Nutzung der Site durchlebte.

Die Notwendigkeit, dass weitere Zuschauer hinter einer Spiegelwand den Vorgang verfolgen, ist nicht belegt. Wenn der Moderator sowie die gestellten Aufgaben kompetent sind, halte ich die Spiegelwand für überflüssig, jedoch ist die Aufzeichnung per Video sinnvoll. Details können nachträglich analysiert und die Befragung einem weiteren Personenkreis des Auftraggebers zugänglich gemacht werden.

Getestet wird im optimalen Fall auf verschiedenen Plattformen mit unterschiedlichen Internetzugängen. Der Teilnehmerkreis besteht aus einer Gruppe repräsentativer Anwender mit unterschiedlichem Bildungsniveau und unterschiedlichen Interneterfahrungen. Nach Untersuchungen des so genannten (und auch umstrittenen) 'Usability-Gurus' Jacob Nielsen deckt eine Testgruppe von 3 Personen bereits 80% der Userprobleme auf. Anhand der Auswertung der Teilnehmererfahrungen aus Anwendersicht werden anschliessend Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet und durchgeführt.

Wann wird getestet?
Die einfachste Antwort: immer! Usability-Testing gibt es in vielen unterschiedlichen Versionen und kann deswegen an verschiedenen Punkten im Entwicklungsprozess eingesetzt werden.

Forschungstests sammeln bereits in den frühen Phasen einer Site-Entwicklung die Beiträge (Input) der beteiligten Testpersonen. Je nach Erfahrung und Erwartung der zielgruppenkonformen User kann das Entwicklungsteam schon hier über die passende Richtung für Look & Feel, Navigation und Funktionalität entscheiden.

Assessmenttests erfolgen kurz vor Veröffentlichung einer neuen Website. Hier können Sie Feedback zu Themen bekommen, die möglicherweise grosse Probleme für die Nutzer darstellen, aber relativ leicht zu beheben sind.

Auswertungstests sind nützlich, um den Erfolg einer Site im Anschluss an die Lancierung zu bewerten. Die Testpersonen vergleichen die Site mit denen der Konkurrenz und stufen Sie in einer Wertungsliste ein. Diese Liste ist für die Auswertung des Erfolgs eines Projekts äusserst aussagekräftig.

Wichtig für alle Tests ist, dass nach durchgeführten Veränderungen an der Site weitere Tests erfolgen. Denn erfahrungsgemäss werden nach Beheben eines Problems erst andere Probleme offensichtlich.

(boe)





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